Samstag, 21. Februar 2009

Down Size Me?


Vor der Krise galt es fast schon als chic. Jetzt, mittendrin, ist es für viele zwingend: Downsizing.

In der Wirtschaft heißt das: Mitarbeiter entlassen, Werke schließen, Produktlinien einstellen. In der privaten Ökonomie heißt es: sich einschränken. Kleinere Häuser, kleinere Autos, weniger Konsum. Gar nicht einfach, schon psychologisch nicht, wenn vorher alles auf Größer, Bequemer, Luxuriöser eingestellt war. Und in der Praxis?

Mike und Sue wollen sich bzw. ihr Heim verkleinern. Die Kinder sind aus dem Haus, und man wird ja auch nicht jünger. Sie suchen etwas in Innenstadtnähe, damit aus der Fahrt zum Büro, zum Café oder Kino ein Spaziergang wird. Stadtgefühl, auch in der Kleinstadt.

Doch das wollen jetzt viele. Und das Angebot ist knapp. Kleine Häuser hat kein Mensch mehr gebaut (Wohnungen gibt es ohnehin kaum, will hier ja auch keiner). Wenn in den vergangenen Jahren ein kleines, altes Haus den Besitzer wechselte, wurde entweder angebaut - oder gleich abgerissen und ein doppelt so großer Neubau hochgezogen.

Bei jedem Stadtspaziergang mit meiner alteingesessenen Nachbarin Debbi höre ich mindestens ein, zweimal: "Oh my God, this was such a lovely old home - and now they are building this
monstrosity!" Fast immer Standardbauten. MacMansions, stets mit prominenter Doppelgarage, denn in die alten Garagen passten die neuen Autos nicht rein.

Ja, und die Autos. Magda wollte vor einigen Monaten ein kleineres, energiesparendes Auto kaufen. Einen Toyota Prius, ein Hybridauto. Damals kostete das Benzin gerade mehr als vier Dollar pro Gallone, also gut einen Dollar pro Liter, was für amerikanische Verhältnisse
mordsmäßig teuer ist.

In sechs bis acht Monaten könnte sie einen bekommen, hieß es beim Toyota-Händler. Oder einen Gebrauchten in einigen Wochen - zum Neupreis.

Natürlich gibt es immer irgendwelche Kleinwagen zu kaufen. Aber SO weit unter das gewohnte Niveau will man sich halt doch nicht begeben. Natürlich gibt es selbst in Princeton kleine, günstige Häuser. Aber SO dünnwandig, schäbig und in der falschen Gegend sollte es natürlich auch nicht sein.

Noch vor gar nicht langer Zeit ließ sich privates Downsizing als hip und originell vermarkten. Da wurde etwa auf CNN ein Paar aus Kalifornien vorgestellt, das sein komfortables Einfamilienhaus gegen ein Mini-"mobile home" mit knapp zehn Quadratmetern Wohnfläche eingetauscht hatte. Tenor: Besinnung auf das Wesentliche als Glückschance - "Downsizing to 100 square feet of bliss".

"Small is the new big thing", hieß es auch in der Rubrik Carz4Girlz des
Auto Channel: Kleinwagen, hierzulande "economy cars" genannt, seien längst nicht mehr uncool. Manche seien innen sogar richtig geräumig. "And no one can argue there is something vintage-cool about a Mini Cooper."

Nun ist es nicht gerade cool, wenn einem der Job verloren- und das Geld ausgeht. Doch es ist immer wieder bewundernswert, wie schnell und vergleichsweise klaglos Amerikaner in Krisenzeiten den Gürtel enger schnallen. Das Beste draus machen, nicht abwarten, bis der Staat oder sonstwer Abhilfe schafft.

"What's your new Plan B?", fragte etwa die
New York Times vor einigen Tagen - nachdem der alte Plan B, sich mit dem Ersparten vorzeitig zur Ruhe zu setzen oder einen alternativen Lebenstraum zu erfüllen, nun geplatzt sei. Sie fand unter anderem einen Ex-Finanzberater aus Virginia, der heute einen mobilen Hundesalon betreibt, und einen Anwalt aus New York, der von seinem Apartment aus einen Blumenversand betreibt.

"You have to pull yourself up by your bootstraps", man muss sich selbst helfen, sagt H., die gerade ihren Job als Beraterin bei einer Umweltagentur verloren hat und mit ihrem Mann nun durchrechnet, ob sie sich die Familie ihr Haus noch leisten kann. "Wer will denn mit dir arbeiten, wenn du negativ bist?!"

Für seine eigenen Probleme steht man selber gerade - auch wenn noch so viele Finanzjongleure an der Misere im Großen mitgearbeitet haben. "Zweimal haben wir Häuser verkauft und dabei jeweils innerhalb von zwei, drei Jahren einen sechsstelligen Gewinn gemacht", sagt H. "Dann denkt man eben, das geht noch einmal gut."

Ihr größeres Haus in Princeton kauften H. und ihr Mann in der Erwartung, es mit einem Verkaufsgewinn aus ihrem alten Haus in Kalifornien finanzieren zu können. Dann brach der Immobilienmarkt zusammen. Nun versuchen sie durchzuhalten, bis bessere Zeiten kommen. Würden sie ihr Haus jetzt verkaufen, dann wahrscheinlich mit Verlust, rechnet H. vor. "Und dann hätten wir uns zwar verkleinert, stünden aber finanziell womöglich keinen Deut besser da."

Solange es geht, schränkt man sich im Kleinen ein - geht weniger aus, kauft bei Shop Rite statt im Feinkostladen, kündigt den Vertrag mit dem Fitness-Studio. Downsizing aus Überzeugung bleibt die Ausnahme. Es ist eine Notwendigkeit, die nach Beschaffenheit der amerikanischen Boom-and-Bust-Ökonomie regelmäßig auftritt - und hoffentlich bald wieder verschwindet. Weil ein neuer Boom kommt, in dem man konsumtechnisch wieder aufrüsten kann.

Man muß sicher nicht so schwarz sehen wie der Regisseur des Kurzfilms "Downsizing" von 2002, in dem eine "upper middle class family" in ökonomische Schwierigkeiten gerät - und beschließt, eines ihrer drei Kinder loszuwerden, um ihren Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Daß Amerika in absehbarer Zeit das Land der energieeffizienten Öko-Häuser mit Hybrid-Kleinwagen auf dem Driveway wird, ist aber auch nicht unbedingt zu erwarten.

(Princeton Post XXV)

Winterlandschaft


Auch in diesem Teil der Welt kommt der Schnee meistens zu spät. Keine weißen Weihnachten, dafür alles verschneit im Februar. Und das sieht dann so aus:



Henry Moore, "Oval with Points", Princeton University Campus





Alexander Hall, Princeton University


Residential College, Princeton University













Wills Schneemann





Unser Schneemann


Unser Frosch