Mein Vater würde sagen: "Habe ich ja immer schon gesagt." Seit spätestens Sonntagabend finde ich, er hat Recht: Man muss auf alles gefasst sein und Vorräte im Haus haben. Zumindest dann, wenn man in ein Hurrikangebiet umsiedelt – und seit spätestens Sonntagabend weiß ich, dass wir jetzt in einem solchen wohnen. Habe noch nie vorher 15 Meter hohe Eichen im Sturm beuteln sehen wie Grasbüschel. Habe auch noch nie so ein Sturmgeheul gehört.
Um es aber gleich vorweg zu sagen: Wir hatten Glück. Kein Baum ist aufs Haus gestürzt, kein Wasser in den Keller gelaufen, der Wind hat kein Fenster zertrümmert. Heute, zwei Tage später, haben wir zwar keinen Strom (und auch keine Prognose, wann der wiederkommt). Aber wir haben heißes Wasser und Gas zum Kochen, einen guten Kamin mit Ofen-Insert und jede Menge Feuerholz, dank sinkender Temperaturen sogar einen Kühlschrank – unsere back porch.
Die Firestone Library der Princeton-Universität ist geöffnet, hat Strom und Internet und ist gut geheizt. Hier sitze ich mit meinem Mann sowie allen anderen Princeton-Professoren und Studenten. Unsere Jungs knubbeln sich mit den übrigen 66 Prozent der Princeton-Bevölkerung in der public library, wo es ebenfalls warm und hell ist. Die Schule fällt natürlich bis auf weiteres aus, was den Jungs nicht SO viel ausmacht.
"Are you prepared?", hatte uns Ben, unser Nachbar, am Freitag gefragt. Naja, dachten wir. Wir haben eine Notfall-Batterie im Keller, damit zumindest eine Pumpe weiterlaufen kann, wenn der Strom ausfällt. Bis dahin hatten wir die Hurrikan-Warnungen nicht SO ernst genommen, wir wohnen ja schließlich nicht in Florida! Als aber Mike, ein anderer Nachbar, am Samstagmorgen berichtete, bei "Wegman's" und anderen Megastores seien schon Freitagabend Batterien, Brot, Bananen und Trinkwasser ausverkauft gewesen, haben wir den Wetterbericht doch etwas genauer gelesen.
Für den Rest des Samstags war dann die ganze Familie mit Hamsterkäufen beschäftigt. Am Sonntag haben wir wie die Weltmeister gekocht, gebraten und gebacken; Wassergräben ums Haus gezogen, alle verfügbaren Eimer, Töpfe und Kannen mit Trinkwasser gefüllt, wichtige Papiere wasserdicht verpackt und alles ins Haus gebracht, was wegfliegen kann. Bis Sonntagabend gegen 19 Uhr hatten wir noch Strom. Das war länger, als man angesichts des Infernos draußen zu hoffen gewagt hätte. Und danach war man einfach froh, "prepared" gewesen zu sein.
So, jetzt gehe ich wieder nach Hause, mache Feuer im Kamin und koche auf dem Gasherd alles, was sich aus dem stromlosen Gefrierschrank noch retten lässt. Es gibt eine Eis-Party für alle Kinder aus den Nachbarschaft. Nicht SO attraktiv bei Temperaturen unter 10 Grad, aber immerhin ein kleiner Ersatz für Halloween Trick-or-Treat (das wohl heute eher ausfällt). Und morgen gehen wir dann zu McCaffrey's einkaufen, unserem lokalen Supermarkt. Die waren nämlich auch "prepared" – und halten ihren Laden mit einem Riesengenerator am Laufen.
Wünscht uns power!