Freitag, 2. November 2012

After Sandy


Das Licht ist an, Heizung und Kühlschrank brummen: Seit gestern Abend haben wir wieder Strom. Damit gehören wir zu den glücklichen 50 Prozent der Princetonier, die vier Tage nach "Sandy" nicht mehr im Dunkeln sitzen.

Wie verheerend dieser Hurrikan war, ist in der Zeitung zu lesen: über 100 Tote, ganze Stadtteile und Kleinstädte abgebrannt oder weggespült, geschätzte 50 Milliarden Dollar Schaden. Der Boardwalk von Atlantic City, auf dem Titelbild dieses Blogs zu sehen, ist seit Sonntag teilweise zerstört. Inzwischen ist das Benzin knapp, in einigen Städten sogar schon regelrecht
umkämpft

Princeton gehört nicht zu den am schlimmsten getroffenen Gemeinden, obwohl auch hier ein Mensch ums Leben gekommen ist. Allein auf dem Campus der Universität hat der Sturm 50 Bäume entwurzelt oder abgeknickt. 60 Straßen waren unpassierbar, einige sind es noch immer. Die Bahnverbindungen nach New York sind erst heute teilweise wieder in Gang gekommen.


Sophie, eine französische Freundin aus Berliner Zeiten, beherbergt in ihrem kleinen Apartment auf der New Yorker East Side drei AFP-Kollegen, die im Süden Manhattans wohnen und zeitweise obdachlos geworden sind. Auch in Princeton bietet, wer Strom und Platz hat, eine Notunterkunft an, ein warmes Abendessen im Hellen oder wenigstens eine heiße Dusche. Bibliotheken und Geschäfte geben ihre Steckdosen frei, damit man Laptops und Mobiltelefone aufladen kann.


Hier ein paar Eindrücke aus der Stadt:


























 

Schon jetzt ist klar, welches Produkt demnächst Hochkonjunktur haben wird: der Generator. Kaum einer, mit dem ich in den letzten Tagen gesprochen habe, der nicht schwor, bei nächster Gelegenheit einen zu kaufen. "Bald wird es hier aussehen wie in Indien", prophezeit Jackie, die für die UN viel in der Welt unterwegs ist. "Die Infrastruktur verfällt, und alle verpesten die Luft mit diesen Geräten." Allein der Lärm sei unerträglich.

Davon konnte man schon diesmal zumindest einen Vorgeschmack bekommen. Auch in unserer Straße gab es den ersten Nachbarschaftsstreit, weil die einen (ohne Generator) wegen der anderen (mit Generator) nicht schlafen konnten. Die meisten der diesel- oder benzinbetriebenen Geräte, die hier verkauft werden, haben nämlich weder Lärmschutz noch Abgasfilter.


Insofern waren wir, ehrlich gesagt, fast ein bisschen erleichtert, dass der Generator, den unsere Nachbarn vor dem Hurrikan bestellt hatten, erst gestern Nachmittag geliefert wurde – wenige Stunden, bevor der Strom ohnehin wiederkam. (Aber: Waren wir standhaft, als sie uns anboten, auch eine Leitung in unser Haus zu legen, um wenigstens ein, zwei Lampen einschalten zu können? – Natürlich nicht!)


Deshalb heißt es jetzt auch für uns: Ein Generator muss her – aber einer, der wenigstens die minimalsten Umweltstandards erfüllt. Das allerdings möglichst schnell. Denn der Wetterbericht kündigt schon den nächsten Sturm an: Einen klassischen "Northeaster" diesmal – der kommt zwar  aus der anderen Richtung und ist auch nicht ganz so windstark. Doch Schnee halten die Bäume und Strommasten hier eben genausowenig aus wie Wind. Vor allem, wenn sie so aussehen wie dieser ...



 

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