Halloween ist vorbei, Gottseidank.
Obwohl - wir hatten natürlich viel Spaß. Vor allem die Kinder. "Wasn't that SO much fun?!", sagten die Erwachsenen. Lehrer, Eltern, Großeltern, digitalkamerabewaffnet.
In N.s Schule war das Halloween-Programm so vollgepackt, daß die Kinder kaum mitkamen. Nach dem Lunch: Spiele-Parcours im Klassenzimmer. Vier Stationen gab es, niemand durfte für eine davon länger als fünf Minuten brauchen, sonst wäre der Zeitplan durcheinandergeraten.
Eine Plüsch-Spinne mit Glitter und einem Magneten bekleben - Bastelstation abgehakt. Etwas Zuckerguß auf einen Fertigkeks in Kürbisform schmieren, Zuckerstreusel drüber - Backstation erledigt. Und so fort, bis es hieß: Nun alle schnell die Kostüme anziehen zur Parade!
Das dauerte lange, weil das Umziehen kompliziert war. Jungs bitte mit einem Freiwilligen-Vater aufs Herrenklo, Mädchen mit einer Mutter aufs Damenklo! Entblößte Unterwäsche im koedukativen Klassenzimmer? Bewahre!
Die Parade durfte nicht so lange dauern, weil danach noch Partys MIT Eltern und Geschwistern angekündigt waren. Aufgeregte Digitalfilmer rannten durcheinander. Es galt, die eigenen Kinder plus vielleicht noch deren Lehrer und Klassenkameraden zu erwischen - gar nicht so einfach, und auf einer Gesamtstrecke von vielleicht 200 Metern gab das eine Menge Rangeleien.
Zurück im Klassenzimmer. Die Gäste trudeln erst langsam ein, weil aus Sicherheitsgründen jeder Erwachsene, der die Schule betritt, zuerst gegen Unterschrift einen Sticker ausgehändigt bekommt, der sichtbar zu tragen ist. Die ersten schauen nervös auf die Uhr, müssen zurück zur Arbeit. Die Kinder singen ein paar Halloween-Lieder, dann ist nochmal Zeit für Gruppenfotos und Filme. Und für Sicherheitshinweise der Lehrerin, was beim Trick-or-Treat in der Dunkelheit alles zu beachten ist. Dann sind wir entlassen.
Zum nächsten Event: Halloween in R.s Kindertagesstätte. N. ist inzwischen schon leicht quengelig. Aber das Ganze nochmal: Parade, Fotos, Party. Heulende Kleinkinder, die im plüschigen Känguruh-Ganzkörperkostüm völlig überhitzt sind. Oder nicht einsehen, daß nach acht Mini-Muffins wirklich Schluß ist.
Zuhause noch eine kurze Pause bis zum Sammeln. Ausruhen? Kein Gedanke. Es wird gekreischt und getobt; "they are all sugared up", sagt meine Nachbarin Sally. Aufgeputscht, zu viel Zucker. Man sammelt sich zum Trick-or-Treat.
Die Kinder interessiert natürlich vor allem eins: Wie komme ich schnellstmöglich zur größtmöglichen Süßigkeiten-Sammlung. Das geht am besten, wenn man von Haus zu Haus RENNT. "Wieviele können wir nehmen?", war die meistgehörte Frage an den Türen. Nicht mal das übliche "trick or treat!" brachten manche über die Lippen, grapschten nur still nach den candies. Um schließlich die Beute heimzuschleppen in ihren riesigen Beuteln oder neon-orangenen, hohlen Plastik-Kürbissen.
In manchen Vorstädten mit langen Wegen und großem Widerwillen, zu Fuß zu gehen, versammeln sich Mütter zu Halloween auf Supermarkt-Parkplätzen. Sie parken ihre SUVs im Kreis, stellen die Candy-Kisten auf und schicken alle Kinder einmal rund. Das spart Zeit und schont die Vorgärten.
Die "gute alte Tante" New York Times stellte allerdings besorgt fest, daß nur sechs Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September die Tendenz zu Zombie-Masken und anderen grausigen bzw. martialischen Halloween-Kostümen wieder deutlich zugenommen habe. Und das gelte für alle marktrelevanten Gruppen: Erwachsene, Kinder - und Haustiere.
Noch eine Schreckensnachricht zum Halloween-Nachklapp? Bitteschön: Ein Spielwarenhersteller mußte seinen "Hit" der Saison, ein grauenhaft verfault aussehendes Plastikgebiß namens "Ugly Teeth", zurückrufen. Das Produkt - made in China - war so kräftig mit Bleifarbe bemalt, daß die Gebißträger ernsthafte Gesundheitsschäden fürchten müssen.
Fazit der Mutter nach neun Stunden non-stop Halloween: Nächstes Jahr mieten wir eine Hütte in den Bergen und schnitzen einfach nur traditionelle Kürbis-Laternen.
"Aber Mama", jammert das größere Kind und umklammert seinen randvollen Sammel-Kürbis, "wir hatten doch so viel Spaß!"
(Princeton Post X)
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1 Kommentar:
Und hier die Gegenperspektive: Unser Single-Haushalt hat an Halloween alle Lichter ausgemacht und sich in den Schlafzimmern versteckt - wir hatten naemlich vergessen, Candy zu besorgen! Hinterher hoerte ich, dass wir nicht die einzigen waren, denen es so gegangen ist. Du siehst also, wir Singles sind deine Hoffnung! Beste Gruesse Henni (PS: Your blog is great, much better than the old snail mail version)
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