Dienstag, 30. Oktober 2007

Wer den Dollar ehrt...

"Wer den Pfennig nicht ehrt..." Die Währungen dieses Sprichworts mögen nicht mehr im Umlauf sein. Aber das Prinzip?!

Im "Small World" Café, wo tout Princeton seinen coffee to go bestellt, steht an der Kasse eine Dose fürs Trinkgeld. Wie üblich in den hiesigen Cafés. Das Personal verdient knapp, das ist bekannt, mindestens 15 Prozent Trinkgeld sollten es schon sein. Wären bei einem Cappuccino für knapp vier Dollar nach Steuern also 60, vielleicht 75 cent. Three Quarters. Gar nicht so wenig, oder? Zumal der Kaffee ja nicht gebracht wird, man muß Schlange stehen für die Bestellung und dann nochmal allen im Weg stehen, bis man sein Getränk ("Cappuccino to go-ho!") vom Tresen angeln kann.

Aber die wollen keine Quarters. Zwei kleine Schilder prangen auf der Trinkgelddose. Das erste sagt, in einem hübschen Wortspiel mit der Doppelbedeutung von "change" ("Wandel" und "Kleingeld"): "Change comes from within". Das zweite lautet: "Dollars come from your wallet".

Schon fühle ich mich schäbig mit meinen Münzen. Tatsächlich ist die Dose provokativ gefüllt mit Ein-Dollar-Scheinen, bis zum Rand und darüber hinaus. Inflation? Soziale Gerechtigkeit?

Vielleicht sind Centbeträge nicht mehr wahrnehmbar in einer Gesellschaft, wo ein Merrill-Lynch-Chef einen dreistelligen Millionenbetrag als Abfindung dafür kassiert, daß er seinen Job aufgibt, nachdem er dem Unternehmen Milliardenverluste beschert hat. Wo Topmanager und Angehörige einiger Wirtschaftsgruppen - Investmentbanker, Hedgefondsmanager, Anwälte - so unanständig viel Geld verdienen, daß ihr Leben mit dem von Otto Normalverbraucher aber auch gar nichts mehr gemein hat.

Und was mache ICH jetzt, an der Kasse vom "Small Word"? Trotzen ("Dann eben nicht!")? Anpassen und eine Dollar-Note aus dem Protemonnaie ziehen? Den Angestellten vorschlagen, beim Arbeitgeber höhere Löhne einzuklagen, statt den Kunden ein schlechtes Gewissen zu machen?

Schon hat mich - "Excuse me!" - der nächste Kunde beiseitegeschoben. Ein teuer gekleideter Mittfünfziger, Anwalt womöglich. Oder Banker. Der hat nur sein Wechselgeld in die Dose fallen lassen. Ganz cool. Und die Bedienung hat "Thank you!" gesagt. "Have a nice day!"

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