"Madam, Sir, would you please get back into the car." Vor uns steht ein großer Polizist, hinter ihm sein Polizeiauto. Das blockiert uns den Fluchtweg.
Wer sich an meine erste Begegnung mit der Princeton Police erinnert (siehe "Rules and Regulations"), wird sich meinen inneren meltdown ungefähr vorstellen können. Zu den eigenen schlechten Erfahrungen hatten sich inzwischen zahllose Geschichten gesellt wie die von Debbi, die auf dem Weg zum Kinderarzt zu schnell gefahren war und dann auf dessen Parkplatz zwanzig Minuten mit zwei fiebrigen Kindern im Wagen sitzen bleiben mußte. Bis ein nicht so verständnisvoller Polizist ihr einen 300-Dollar-Strafzettel verpaßt und das hiesige Äquivalent von zwei Punkten in Flensburg angedroht hatte.Hilft ja jetzt alles nix. Kinder wieder auf den Rücksitz, mucksmäuschenstill. War da was auf unserer vielleicht sechs Minuten langen Fahrt hierher? Rote Ampel übersehen? Fußgänger auf dem Überweg ignoriert? Was haben wir angestellt?
Der Polizist - wieder so ein Jungspund - läßt uns eine Weile sitzen, kommt dann gemächlich zum Fahrerfenster, erkundigt sich nach meinem Wohlergehen, unserem Woher und Wohin "on this sunny day". Fragt dann sehr höflich nach Führerschein, Wagenpapieren, Versicherungskarte.
Dann fragt er endlich, ganz beiläufig: "Ist Ihnen bewußt, daß Ihre Zulassung seit November 2007 abgelaufen ist?"
Unsere Gesichter sind offenbar überzeugend. Normalerweise gäbe das jetzt einen Strafzettel und eine Anzeige, sagt der Polizist. Er werde diesmal von beidem absehen, da wir offenbar neu in New Jersey seien. Er rate aber dringend, die Zulassung erneuern zu lassen. Bei der Motor Vehicle Commission.
Thank you officer, of course, officer, gleich morgen früh. Hätten nicht gedacht, daß man eine Zulassung hier jedes Jahr erneuern muß. Muß man in Deutschland nicht.
Aber in Erleichterung und Erstaunen - es gibt ihn also doch, den "good cop" - mischt sich schnell neue Panik. Die MVC. Nicht schon wieder! "The worst place on earth", wie ein normalerweise milder alter Herr, fassungslos über dort erlittene Demütigungen, diese Behörde genannt hat. Schon das Gebäude erinnert stark an eine Stasi-Baracke.Vielleicht aber ist irgendwann im vergangenen Jahr eine gute Fee durch Princeton und Mercer County geschwebt und hat die hiesigen Staatsorgane verwandelt. Denn als ich am nächsten Morgen, kampfentschlossen und ausgerüstet mit allen nur denkbaren Ausweis- und Legitimationsdokumenten, in die MVC-Baracke stürmte, war ich nach weniger als fünf Minuten wieder draußen. Komplett verblüfft. Und im Besitz einer neuen Zulassung.
Alles, was ich tun mußte, war zum Express-Schalter gehen, meinen Führerschein vorzeigen und ein Mini-Formular unterschreiben. Ach ja, und natürlich $46,50 Erneuerungsgebühr zahlen. Dafür war der Mann hinterm Schalter höflich. Man akzeptiert inzwischen sogar Kreditkarten.
Kein Wunder: Für den Staat ist das eine Lizenz zum Gelddrucken. Für jedes Privatauto wird je nach Alter und Gewicht jedes Jahr zwischen $35,50 und $84 kassiert. ($35,50 kosten dabei nur Wagen, die vor 1970 gebaut wurden und weniger als 1,2 Tonnen wiegen. Fat chance!) 2005 waren in New Jersey knapp vier Millionen Fahrzeuge registriert. Heißt also: Jedes Jahr Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe, allein durch den Ausdruck neuer Zulassungskarten. Vielleicht hat dies dafür gesorgt, daß eine Besserbehandlung der Gemolkenen in den Zweigstellen der Motor Vehicle Commission (MVC), früher Department of Motor Vehicles (DMV) angeordnet wurde...
Ihr meint, ich sei besessen von der MVC? Ha! Als ich neulich im Netz nach Zulassungsstatistiken fahndete, stieß ich zufällig auf den Artikel einer britischen Journalistin in der Online-Ausgabe des Telegraph vom vergangenen Dezember. Unter dem Titel "It's a long road to a New Jersey licence" schildert sie ihre traumatischen Erfahrungen beim Führerscheinerwerb.
Der Artikel hat 59 Kommentare. Fast alles "me, too"-Berichte.
(Princeton Post XVI)
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