Donnerstag, 3. Februar 2011

Eiszeit



Heike ist aus Deutschland zu Besuch und findet, wir seien hier alle regelrecht besessen vom Wetter. So viel wie hier über Hochwasser und Schneestürme, kanadische Kaltfronten und Eisregen geredet wird – das ist sogar der leidgeprüften Berlinerin
(Stichwort S-Bahn im Winter) zu viel. Wobei man sagen muss, dass ich sie schon nicht vom Flughafen abholen konnte, weil das Auto nach dem letzten Blizzard noch in der Garage eingeschneit war.

Aber es ist schon wahr: Früher pflegte der gutbürgerliche Familienvater beim Frühstück die wichtigsten Weltnachrichten aus der Zeitung vorzulesen. Bei uns ist das so, dass der Frühaufsteher, der die Zeitung in der Einfahrt aufsammelt – zufällig identisch mit dem Familienvater – morgens den Wetterbericht vorliest. (Ich persönlich finde ja, dass die "Metropolitan Forecast" der New York Times mit unserem lokalen Wetter in Central New Jersey wenig gemein hat und zudem bereits veraltet ist; schaue also lieber selbst bei wunderground.com nochmal postleitzahlengenau und in Echtzeit nach.)

Die Dauerrede über das Wetter liegt natürlich auch daran, dass man hier zumindest "in polite company" nicht über Politik, Religion oder andere Themen mit Konfliktpotential sprechen darf. (Obwohl Heike gestern live mitgehört hat, was mir in fast fünf Jahren nicht vergönnt war/erspart geblieben ist: eine politische Diskussion beim Friseur.)

Man darf aber auch die Macht der tatsächlichen Verhältnisse nicht unterschätzen: Wer jeden Tag damit rechnen muss, dass die Schule anderthalb Stunden später anfängt oder gleich ganz ausfällt, dass der öffentliche Nahverkehr zusammenbricht und der Autoverkehr gleich hinterher – der guckt halt mindestens einmal am Tag auf die Wetterkarte. (Alteingesessene wählen gleich den Live-Radar an und wissen auf einen Blick, ob sie noch losfahren können oder lieber gleich daheim bleiben. Denn wer möchte schon so im Schnee steckenbleiben!?)

Unter dem Strich ist das Wetter hier einfach spannender. Mehr Drama, mehr Action. Gut, Chicago hat da vielleicht noch mehr zu bieten. Aber für den an Gemäßigtes gewöhnten Mitteleuropäer reicht es auch im Nordosten – jedenfalls in diesem Jahr! Zum Beispiel eben: Blizzard und Eissturm in einer einzigen Woche, siehe unten.

(Und was sagt Heike jetzt? Dass es in Berlin, wenn sie am Sonntag dort wieder einfliegt, 15 Grad Celsius warm sein soll, geradezu frühlingshaft. Das hat sie gerade nachgeschaut, bei wunderground.com...)






















































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